#1 MÄRCHEN Unter unserer Wohnung in der Brühlerstraße 51 ist eine Videothek. Ich glaube, wir gehen da ein paar Mal im Monat hin, aber ich habe noch kein wirkliches Zeitgefühl. Irgendwie leihen wir uns immer die selben Filme aus, je nach Jahreszeit. Videokassette in den alten Röhrenferseher, der an der Haut prickelt, wenn man mit dem Finger drüber fährt, und dann auf einem langsam heller werdenden Bildschirm Maulwurf im Traum, Lottas Schokoladenweihnachtsmänner zu Ostern oder Lars der...
Der erste Tag des Jahres, an dem es so warm ist, dass man das Gefühl hat, die Hitze würde den Körper wie ein Kokon umhüllen. Nicht fähig, eine einzige gedankliche Anstrengung vorzunehmen, in einer angenehmen, sommerlichen Müdigkeit gefangen. Fast schon träge. An den See, die karierte Decke auf das Gras legen, sich auf die karierte Decke legen, in der Hoffnung auf die kleinste sommerliche Briese. Aber die Blätter an den Bäumen bewegen sich nicht. Und weil so erschöpft vom Nichtstun,...
Eine meiner besseren Lebensentscheidungen war es, in meinem Studium eine kleine Veränderung vorzunehmen und Statistikbücher gegen Romane einzutauschen. Und auch wenn es manchmal einige Monate dauert, bis das perfekte Buch wie der perfekte Mensch im Leben auftaucht und zeitweise Schreibblockaden und Deadlines in Streit geraten, liebe ich den literarischen Part meines (Uni-)Lebens. Spätestens in einem kleinen Café auf der Île Saint-Louis, wenn während eines sommerlichen Regenschauers die...